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Hans Wrage
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Die vorliegenden Zeichnungen sind in den 60er und 70er Jahren in der Umgebung des Fischmarktes, also in Hafennähe, entstanden.
Warum übten gerade diese Straßenzüge in Altona und St. Pauli auf mich einen besonderen Reiz aus? Es sind seht starke Erinnerungen aus meiner Kindheit damit verbunden. Vor dem zweiten Weltkrieg wohnten wir am "Michel". Zwischen Kuhberg, Venusberg, Zeuhausmarkt, Großneumarkt, der Englischen Planke und dem Kraienkamp wuchs ich auf. Damals war noch der Hafen der größte "Arbeitgeber" der Hamburger. Hafen und Seefahrt standen im Mittelpunkt der Bevölkerung. Unsere Nachbarn waren Barkassenführer, Heizer, Schauerleute, Arbeiter bei Blohm und Voß usw. der Vater meines Freundes war Ewerführer bei Lütgen und Reimers. Nur mein Vater bildete eine Ausnahme, er war Handlungsgehilfe in einem Papierwarengeschäft, ein "Stehkragenproletarier" wie die Nachbarn sagten, einer, der mit Schlips und Kragen zur Arbeit ging, während alle anderen in Arbeitskluft und mit Zampelbüdel und Kaffeetaing Morgens oder auch zur Nachtschicht loszogen. Diese Atmosphäre des Hafenviertels ist tief in meinen Erinnerungen verhaftet: Die Fischfrauen aus Altenwerder, Milchleute aus Moorburg oder Wilhelmsburg, Hafenkrämer mit Schippermütze und braunem Kittel, die vielen Eckkneipen mit elektrischem Klavier, Pferdewagen, Schottschekarren, Gemüsebauern aus den Marschlanden auf dem Schaarmarkt. "Rook un Dunst un Sus un Brus", wie Hermann Claudius sagte. Der ständige Hafenlärm von den Werften uns Schiffen gesellte sich ja noch dazu. Das ist alles im 2.Weltkrieg verlorengegangen. Um den Fischmarkt herum in St. Pauli und Altona war in den 60er und 70er Jahren das Anheimelnde dieser kleinen, betriebsamen und schäbigen Welt noch vorhanden. So ist dann nach und nach diese Bilderserie entstanden, aber aus einer Distanz von 30 Jahren. Als Kriegsgefangener in den USA und England war ich mit neuen Seherfahrungen und -Erlebnissen heimgekehrt. Dieses Hafenviertel entdeckte ich aus einem erweiterten und vertieften Wissen und Empfinden heraus, und ich war bemüht, dies zeichnerisch umzusetzen. Es geht also nicht so sehr um die topographische Genauigkeit. Wichtig erschien mir in repräsentativen Motiven, das Typische dieser Straßen und der Gebäude, mit den Mitteln der einfachen Zeichnung, die aus bewegten Strichen, aus Strukturen und einem bestimmten Duktus besteht, zum Ausdruck zu bringen. Diese Serie von Zeichnungen ergänzte ich noch nach und nach durch einige Aquarelle
© CTW Thomas Wrage Stand: 11.12.1999