Hans Wrage

Landschaften


Warum ich so male, wie ich male

Textbeitrag von Hans Wrage im Buch "Der Hamburger Maler Hans Wrage"

Man hat mich oft gefragt, warum ich so male, wie ich male. Ich habe dann meistens, dem Sinne nach, van Gogh zitiert, der in einem Brief an seinen Bruder schrieb: "Getreu und eifrig nach der Natur zu arbeiten ist, wie mir scheint, ein sicherer Weg, der zum Ziele führen muß. Das Gefühl und die Leibe zur Natur finden früher oder später bei Menschen, die sich für die Kunst interessieren, immer einen Widerhall. Es ist also Pflicht des Malers, sich ganz in die Natur zu vertiefen, seine ganze Intelligenz anzuwenden und sein Empfinden in sein Werk zu legen, so daß es auch anderen verständlich wird."

Zu malen bedeutet auch für mich das Erfassen des Sichtbaren, die Wiedergabe der Eigenart eines Motivs, ohne zu übersteigern, zu verformen und zu übertreiben. Das Thema selbst soll in seiner Eigentümlichkeit den Betrachtenden ansprechen, denn wie Schlegen sagt: "Jedes Ding stellt zuvörderst sich selbst dar, d.h. es offenbart sein Inneres durch sein Äußeres, sein Wesen durch seine Erscheinung."

Das Wichtigste ist daher für mich als Künstler das Finden eines malerischen Motivs, nicht etwas im Sinne eines malerischen Winkels, sondern das Entdecken einer spannungsreichen Bildkomposition, deren Farben, Formen und Strukturen harmonieren, oder deren Dissonanzen mich spontan reizen, das Lebendige und Eigentümliche zu erfassen und wiederzugeben.

Die Bildgestaltung, ihr Aufbau, die Beschränkung auf das Wesentliche und das Malen finden dann vor dem Objekt in der Natur statt und nicht im Atelier.

Diese schöpferische Arbeitsweise, dies malerische Suchen, Sehen , Erfassen und im Bild Gestalten verlangen natürlich Formgefühl und handwerkliche Sicherheit vom Künstler, wie man sie nur durch unermüdlichen Fleiß und Erfahrung gewinnen kann. Die malerischen Mittel, mit denen ich meinen Bilder gestalte, sind die klassischen. Anderer Techniken, wie Fotomontage, Verwenden von Retuschierspritze, Diaprojektor usw. bediene ich mich nicht.

Die Motive, die mich ansprechen, sind in meinem Herkommen, meiner Umgebung gegründet: Hamburg als Stadtlandschaft, die Großartigkeit seines Hafens, die Schiffe, die rauhe Arbeitswelt der Werften, Brücken, Speicher, Kräne und Schlepper, umrahmt von Himmel, Wolken und Wasser - eben die Elbe, der Fluß der Arbeit", wie Hagedorn schrieb, "der Weltfährweg" wie Hans Leip sagte.

In der Stadt selbst sind es nicht die beeindruckenden Idealansichten, die mich inspirieren, sondern ihre Kehrseite, die Welt der kleinen Leute hinter den pompösen Fassaden, schäbig, schmuddelig, aber lebensvoll, zäh und echt. Dem Reiz, Hinterhöfe malerisch und realistisch zu sehen, kann ich mich nicht entziehen.

Umgebung im weiteren Sinne ist für mich auch die norddeutsche Küstenlandschaft. Sie erschließt sich mir, ihr bin ich zugewandt. Die Weite der Marschen, der bis zum Horizont herabreichende hohe Himmel, das Wasser, der Menschenschlag, alles spricht mich an. Die herbe Schönheit der Küstengebiete, ja auch das notwendig Häßliche sind Anstoß für mich zu schaffen und zu malen. Alfred Lichtwark schrieb mal über Monets Malerei: "Er will nicht erfinden, aber er findet...Man fühlt auf den ersten Blick, er hat nicht gewollt, er hat gemußt."

Ich hoffe, daß der Betrachter meiner Bilder sich der Bedeutung der Lichtwarkschen Äußerung bewußt wird und es lernt, den tieferen Sinn, das eigentliche Wesen der Malerei zu erkennen, zu begreifen und nachzuempfinden.Textbeitrag von Hans Wrage im Buch "Der Hamburger Maler Hans Wrage"


© CTW Thomas Wrage Stand: 11.12.1999